Publizistik

22.09.2026 Muslimisch-Jüdische Kolumne
Wo Ausgrenzung auf ihre Grenzen stößt

„Wir haben bereits zu viele Menschen an die AfD verloren, die davor ihre Stimme den Konservativen oder Sozialdemokraten gaben. Wir waren vorschnell dabei, Meinungen, die wir politisch für grundfalsch hielten, mit Ausschluss statt mit Gegenargumenten zu begegnen. Manchmal haben wir den Eindruck, dass die Grenzziehung oft als bequeme Vermeidungsstrategie genutzt wird.“

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17.08.2026 Muslimisch-Jüdische Kolumne
Wie ein Pool zum Skandal wurde

„Die Absage erinnert daran, wie aggressiv es in öffentlichen Debatten zugeht und wie soziale Medien als Brandbeschleuniger fungieren. Es ist erschreckend, dass eine öffentliche Institution eine Veranstaltung aus Angst vor rechten Angriffen absagen muss. Dass die Volksbühne zur Zielscheibe einer rechten Kampagne geworden ist, bedeutet dabei nicht zwangsläufig, dass die ursprüngliche Idee – ein Badeslot exklusiv für die schwarze Community – richtig war.“

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22.06.2026 Muslimisch-Jüdische Kolumne
Die Angst vor Schwarz-Rot-Gold

„Als Kolumnist hat man das Privileg, über Dinge schreiben zu dürfen, von denen man nicht die leiseste Ahnung hat. Deshalb schreiben wir über die Fußball-WM. Auch wenn es nicht ganz unsere Welt ist, sollte man sich einen guten Anlass für gute Laune nicht einfach entgehen lassen.“

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31.05.2026 Muslimisch-Jüdische Kolumne
Die Legende vom „großen Austausch“

„Dass Juden und Muslime von denselben Kräften bedroht werden und deshalb zusammenhalten müssen, verstand der inzwischen verstorbene Präsident des Zentralrats der Juden, Ignatz Bubis, früh. Als Anfang der Neunzigerjahre in Rostock, Hoyerswerda, Mölln und Solingen rechtsextreme Anschläge unter anderem auf muslimische Migranten verübt wurden, war Bubis einer der Ersten, die ihre Stimme erhoben. Er besuchte die betroffenen Familien und zeigte Anteilnahme und Solidarität.“

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16.02.2026 Muslimisch-Jüdische Kolumne
Ein Lob aufs Schulschwänzen

„Während in Sonntagsreden von individueller Förderung, mentaler Gesundheit oder Bildungsgerechtigkeit die Rede ist, reagiert der Staat im Alltag oft reflexhaft mit dem Instrumentarium der Ordnungspolitik. Statt Schule flexibler zu gestalten, macht man sie härter.“

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06.12.2025 Muslimisch-Jüdische Kolumne
Jeder glaubt, recht zu haben

„Wir kennen Sophie von der Tann seit einiger Zeit. Sie zur Israelhasserin oder gar Antisemitin zu erklären, ist schlicht falsch. Sicherlich ist die momentane Wucht der Angriffe für sie schwer auszuhalten. Doch der aggressive Ton ist nicht nur ihr persönliches Problem. Er ist ein Symptom unseres postfaktischen Zeitalters.“

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07.10.2025 Muslimisch-Jüdische Kolumne
Schluss mit der Polarisierung

„Kurz vor dem zweiten Jahrestag des Massakers vom 7. Oktober sprachen wir an Yom Kippur über Shachar und Shlomi, die an diesem blutigen Schabbat ermordet wurden. Es schien uns fast unbegreiflich, wie ihr Opfer und der Schmerz ihrer Familie heutzutage missbraucht werden.“

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02.10.2025 Muslimisch-Jüdische Kolumne
Babys sind keine Instrumente

„Was Eltern heute brauchen, ist mehr Unaufgeregtheit. Es gibt mehr als nur einen richtigen Weg, Kinder großzuziehen. Statt über Elternschaft in der Politik zu urteilen, sollten wir uns auf wichtigere Themen konzentrieren – oder, in den Worten eines Users auf Instagram: 'Ich höre lieber Babyschreie im Plenarsaal als Rechtsextreme, die dort pöbeln.'“

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26.08.2025 Muslimisch-Jüdische Kolumne
Das Kreuz mit den Sternchen

„Es ist ernüchternd, immer wieder festzustellen, dass man in Berlin, statt an der Lösung der akuten Probleme und Krisen unserer Zeit zu arbeiten, die Energie auf Symbolpolitik par excellence verwendet. Und es ist erstaunlich zu sehen, wie gut dies funktioniert: Unterstützer und Gegner des Genderns stehen wie auf Kommando in ihren Startlöchern, um sich gegenseitig verbal zu verkloppen, ohne dass jemand dadurch gedanklich oder argumentativ einen Millimeter vorankommt.“

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01.07.2025 Muslimisch-Jüdische Kolumne
Löschen ist keine Lösung

„Beim 'Depublizieren' handelt es sich um eine rein symbolische Handlung – denn das Internet vergisst bekanntlich nichts. Es geht darum, bereits Gesagtes im Nachhinein für ungesagt zu erklären – eine Form verspäteter Selbstzensur. Eine gut gemeinte Geste, die doch das Gegenteil von gut ist. Den Schaden trägt unsere Debattenkultur.“

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31.05.2025 Muslimisch-Jüdische Kolumne
Dialog statt Echokammer

„Freunde lachen uns gelegentlich aus, wir hätten ein seltsames Hobby: öffentlich beschimpft werden zu wollen. doch das entspricht nicht unserer Erfahrung. Gerade dort, wo man auf Widerspruch stößt, entstehen die spannendsten Diskussionen. deshalb gehen wir gerne an Orte außerhalb unserer Komfortzone, allemal, wenn die Einladungen aus muslimischen wie der jüdischen Community kommen. Für andere mögen die eigenen Communities „Safe Spaces“ sein. Für uns sind sie Orte, wo wir herausgefordert werden.“

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08.04.2025 Muslimisch-Jüdische Kolumne
Sehnsucht nach Avi Primor

„Heute, am 8. April, wird Avi Primor 90 Jahre alt. Auch im hohen Alter hat er nichts von seiner Eloquenz, seiner analytischen Klarheit und seinem Humor verloren. Zu seinem Geburtstag wünschen wir Avi Primor, dass seine stimme noch viele Jahre lang gehört wird – nicht nur für ihn persönlich, sondern vor allem für jene, die wie wir noch daran glauben, dass das geliebte Israel von der Autoimmunkrankheit kuriert werden kann und vor den Rechtsradikalen zu retten ist. Mazal tov und Mubarak, Avi!“

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13.03.2025 Muslimisch-Jüdische Kolumne
Reflexhafte Distanzierung vom Deutschsein

„Am Abend unserer Wahlparty fragte unsere Freundin beim Abschied, ob wir von ihnen enttäuscht seien. „Der Nachtisch war doch lecker“, antworteten wir. Sie lächelte verlegen: „Ich meine, ob ihr von den Deutschen enttäuscht seid.“ Die Frage kam uns zunächst absurd vor. Doch schon am nächsten Morgen verstanden wir, was sie meinte.“

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20.01.2025 Muslimisch-Jüdische Kolumne
Auch wir haben schon „Biodeutsche“ gesagt

„Wir wünschen uns eine Diskussionskultur, in der auch Unwörter verwendet werden dürfen, auch wenn man dafür Widerspruch erhält. Es ist ein bisschen so wie mit unserem Sohn. Zweifelsohne hat er recht: Man darf nicht „Scheiße“ sagen. Aber in unserem Alltag kommt es immer wieder vor: nobody is perfect.“

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14.12.2024 Muslimisch-Jüdische Kolumne
Wenn Selbstüberhöhung satirische Züge annimmt

„Wenn es einer Organisation gelingen kann, die festgefahrene Debatte in Deutschland über Israel und Palästina zu überwinden, könnte das PEN Berlin sein. so war unser Eindruck bis vor einer Woche. Seitdem wurden wir eines Besseren belehrt. Denn am 8. Dezember fand eine außerordentliche Mitgliederversammlung statt, in der es um eine Resolution zum Nahostkonflikt ging. Alles, was sich während der Sitzung und danach abspielte, ist ein trauriges Spiegelbild der Debatte.“

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26.09.2024 Muslimisch-Jüdische Kolumne
Was hat eine Waffe im Kinderbuch zu suchen?

„Die Zeiten haben sich auch für Deutschland spätestens seit dem Februar 2022 grundlegend verändert. Wenn auf europäischen Boden gekämpft wird und die Bundeswehr beginnt, aufzurüsten, wenn auch im Schneckentempo, müssen alte Überzeugungen einem Realitätstest unterzogen werden. Wir brauchen eine gesellschaftliche Debatte darüber, welche Rolle das Militär in unserer Gesellschaft einnehmen soll. Ist es vielleicht gar nicht so verkehrt, in Kinderbüchern etwas über die Existenz von Waffen zu lernen – wenn die Kinder später Militärdienst leisten müssen?“

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05.08.2024 Muslimisch-Jüdische Kolumne
Wie viel Zweifel ist erlaubt?

„Dass Minderheiten in öffentlichen Debatten immer mehr Gehör bekommen, ist positiv. Dazu gehört, dass auch offizielle Repräsentanten sich mit der Idee anfreunden, dass eine Stimmenvielfalt aus der eigenen Community hörbar ist. Eva Illouz hat es so formuliert: 'Wenn ein Intellektueller jemand ist, der das Recht, die Pflicht und den Mut hat, die Wahrheit auszusprechen, dann ist er derjenige, der das Risiko eingeht, mit der Gruppensolidarität zu brechen.'“

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22.05.2024 Muslimisch-Jüdische Kolumne
Sie wollen sieben Millionen Israelis auf ihrer Heimat werfen

„Dass es unter Linken immer schon Sympathisanten mörderischer Bewegungen gab, ist nicht neu: Ob sie für die Roten Khmer, Fidel Castro oder Khomeini in Iran Partei ergriffen – es reicht, gegen den Westen zu sein, um sich moralisch auf der richtigen Seite zu wähnen. Die Sympathie für die Hamas steht in dieser unguten Tradition. Die beliebten Vergleiche zwischen den Protesten gegen den Vietnamkrieg mit den aktuellen aber hinken: Damals hat man mit dem Friedenszeichen für Pazifismus demonstriert. Heute wird mit Flaggen islamistischer Fundamentalismus und palästinensischer Nationalismus gefeiert.“

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19.04.2024 Muslimisch-Jüdische Kolumne
Warten aufs Kind

„In späten Nachtstunden, wenn die eine keine gute Schlafposition findet und der andere aus Solidarität wach bleibt, spekulieren wir darüber, wie das Kind wohl sein wird – sein Aussehen, seine Persönlichkeit. Wir können nicht ahnen, welche Welt es erleben wird. Und es lässt sich sicherlich nicht rational erklären, doch für uns ist das Gefühl einzigartig, einem Menschen das Wichtigste geben zu können, das es gibt: das Leben.“

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27.02.2024 Muslimisch-Jüdische Kolumne
Das Trauerspiel der Boykottkultur

„Voltaire wird der Satz zugeschrieben „Ich missbillige, was Sie sagen, aber ich werde bis zum Tod Ihr Recht verteidigen, es zu sagen“ – wahrscheinlich war es seine Biografin, die ihm den Satz in den Mund legte. Nun, egal wer das gesagt hat: Wir vermissen diese Haltung in der aufgeheizten Nahost-Debatte.“

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